Sicherheit in der Praxis

Fallschutz am Spielplatz: freie Fallhöhe, Fallraum und Schichtdicke nach ÖNORM EN 1176 und ÖNORM EN 1177

Ab 600 mm freier Fallhöhe braucht das Gerät einen stoßdämpfenden Boden: Schichtdicken, der Fallraum an einem Beispiel und was Schnee und Frost damit machen.

AugustAktualisiert 7 Min. Lesezeit

Kurze Antwort

Liegt die freie Fallhöhe über 600 mm, muss der Boden stoßdämpfend sein; die größte zulässige freie Fallhöhe beträgt 3000 mm. Lose Materialien wie Sand, Kies, Rindenmulch und Holzschnitzel brauchen nach ÖNORM EN 1176-1 eine Dicke von 200 mm bis 2 m und 300 mm bis 3 m Fallhöhe, jeweils plus 100 mm, weil sie bei Benutzung verdrängt werden. Der Fallraum reicht mindestens 1,5 m um das Gerät. Beton, Asphalt und Steinplatten kommen nur unter Geräten mit höchstens 600 mm Fallhöhe in Frage.

Beim Rundgang sieht man die Geräte. Ob ein Sturz mit einem aufgeschürften Knie endet oder in der Kinderambulanz, entscheidet der Boden darunter, und der ist gleichzeitig der Teil des Spielplatzes, der am schnellsten verfällt und am seltensten gemessen wird. Sand wird unter der Schaukel weggetreten, Holzschnitzel werden am Auslauf der Rutsche weggeschoben, Rindenmulch friert zu einer Platte, und niemandem fällt es auf, weil es langsam geschieht.

Zwei Normen, zwei Aufgaben

Beim Fallschutz werden zwei Normen gern verwechselt. ÖNORM EN 1176-1 stellt die Anforderungen an das Gerät und nennt die freie Fallhöhe, die Grenzen und die Schichtdicken für lose Materialien. ÖNORM EN 1177 ist die Norm für den Boden: Sie beschreibt das Prüfverfahren, mit dem die Stoßdämpfung eines Bodens gemessen und seine kritische Fallhöhe bestimmt wird. Die Dicke einer Sandschicht steht also in der ersten, die Belastbarkeit einer Fallschutzplatte kommt aus der zweiten.

Die Grenze bei 600 mm und das Ende bei 3000 mm

Die freie Fallhöhe ist der größte senkrechte Abstand von der Stelle, an der das Kind sein Gewicht auf dem Gerät hat, bis zur Aufprallfläche: Standfläche, Sitz oder der Griff, an dem es hängt. Liegt sie über 600 mm, muss der Boden stoßdämpfend sein. Darunter wird keine Stoßdämpfung verlangt, mit einer Ausnahme: Geräte mit erzwungener Bewegung wie Schaukeln und Karusselle brauchen sie unabhängig von der Fallhöhe. Der Boden muss in jedem Fall frei von harten und scharfen Gegenständen sein. Die zweite Grenze ist absolut: Die größte zulässige freie Fallhöhe beträgt 3000 mm. Ein Gerät, das höher hinausgeht, entspricht ÖNORM EN 1176 nicht, wie gut der Boden darunter auch ist.

Schichtdicken für Sand, Kies, Rindenmulch und Holzschnitzel

Lose Materialien sind in Österreich die verbreitetste Lösung und die billigste, um sie falsch zu machen. Die Dicken stehen in ÖNORM EN 1176-1, und sie gelten eingebaut, nicht bestellt.

Schichtdicke loser Fallschutzböden nach ÖNORM EN 1176-1, mit dem Zuschlag für Verdrängung, der beim Einbau dazukommt.

Die zusätzlichen 100 Millimeter sind keine Sicherheitsmarge, sondern eine Voraussetzung. Loses Material wird verdrängt, sobald Kinder das Gerät benutzen. Wer nur die Nenndicke einbaut, hat in der ersten Saison einen zu dünnen Boden. Das Material selbst zählt ebenso: Sand muss gewaschen und frei von Feinanteilen sein, weil sich gewöhnlicher Füllsand verdichtet; Holzschnitzel und Rindenmulch brauchen eine Körnung, die der Lieferant gegen ÖNORM EN 1177 belegen kann. Bekommen Sie keine Unterlagen zum Material, können Sie später auch nicht belegen, dass der Boden dämpft.

Der Fallraum an einem Beispiel

Der Boden muss den ganzen Fallraum abdecken, nicht nur die Fläche direkt unter dem Gerät. Die Faustregel für seine Ausdehnung ist zwei Drittel der freien Fallhöhe plus 50 cm, und nie weniger als 1,5 m. Bei Geräten mit erzwungener Bewegung, also Schaukeln, Karussells und Seilbahnen, sind die Flächen größer und anders geformt, weil das Kind das Gerät in Fahrt verlässt.

Ein Klettergerüst mit 1,8 m freier Fallhöhe: zwei Drittel von 180 cm plus 50 cm ergeben 170 cm Fallraum, mehr als das Minimum von 1,5 m.

Platten, Gussböden, Kunstrasen: die kritische Fallhöhe

Künstliche Böden werden nicht nach Dicke beurteilt, sondern nach ihrer kritischen Fallhöhe: der höchsten Fallhöhe, für die das Material geeignet ist. Das Prüfverfahren nach ÖNORM EN 1177 misst dazu den HIC-Wert beim Aufprall, und die Grenze liegt bei 1000. Für Sie als Betreiber folgt daraus ein einziger Vergleich: Die kritische Fallhöhe des Bodens muss mindestens so groß sein wie die freie Fallhöhe des Geräts darüber. Liegen unter einem Klettergerüst mit 2,2 m freier Fallhöhe Platten für 1,5 m, ist der Boden zu schwach, so ordentlich er auch aussieht. Die Angabe steht in den Produktunterlagen, und die gehören zu den Unterlagen des Spielplatzes.

Schnee, Frost und Föhn: der Fallschutz im österreichischen Jahr

In einem Land, in dem viele Spielplätze ein halbes Jahr Winter haben, ist der Fallschutz eine Saisonfrage. Gefrorener Rindenmulch dämpft etwa so gut wie Asphalt. Zu Eis verdichteter Schnee unter der Schaukel hebt die Oberfläche an, senkt die freie Fallhöhe scheinbar und nimmt die Dämpfung ganz. Die Dicke eines losen Bodens lässt sich durch Schnee nicht beurteilen; sie wird gemessen, sobald der Schnee weg ist, und bis dahin steht in der Dokumentation, dass sie nicht messbar war. Nach der Schneeschmelze zeigt sich außerdem, was der Winter weggeräumt hat: Der Schneepflug, der den Weg am Spielplatz freihält, schiebt regelmäßig auch den Fallschutz an den Rand.

Im Sommer kommt das Wasser dazu. Fehlende Entwässerung im Fallraum bedeutet nach einem Gewitter stehendes Wasser, im Herbst Schlamm und im Winter Eis. Ein Fallraum, der nach Regen einen Tag lang Pfützen hält, ist ein Entwässerungsproblem, das sich mit Nachfüllen nicht lösen lässt.

Messen am Rundgang: wo, wie, wie oft

Der Fallschutzboden ist der Kontrollpunkt, der am meisten von einer festen Routine profitiert, weil er laufend verfällt statt plötzlich zu brechen. Bei der Funktionskontrolle wird die Dicke an mehreren Stellen gemessen, nicht am Rand, sondern dort, wo die Kinder bremsen: in der Kuhle unter der Schaukel, am Auslauf der Rutsche, in den Landebereichen. Gemessen wird bis zum festen Untergrund, nicht bis zur obersten losen Schicht, und die Zahl wird notiert, statt ein Häkchen bei „in Ordnung“ zu setzen. Dann entsteht mit der Zeit eine Reihe, die zeigt, wie schnell das Material verschwindet und wann das nächste Auffüllen fällig ist.

  • Die Kuhle unter der Schaukel. Dort verschwindet der Boden zuerst.
  • Der Auslauf der Rutsche. Derselbe Fehler, andere Stelle, genauso häufig.
  • Freigelegte Fundamente. Wird der Boden weggetragen, kommt der Beton zum Vorschein, oft mit scharfer Kante.
  • Die Einfassung. Eine Kante, die den Mulch halten sollte, ist zu einem harten Gegenstand geworden, auf den man fallen kann.
  • Offene Fugen und hochgestellte Kanten bei Fallschutzplatten.

Die Messung gehört als fester Punkt in die Funktionskontrolle, nicht in die Sichtkontrolle: Sie braucht einen Zollstock und zwei Minuten je Gerät. Wo sie in der Liste steht, zeigt die Checkliste für die Spielplatzüberprüfung.

Fragen und Antworten

Ab welcher Höhe braucht ein Spielgerät Fallschutz?

Ab einer freien Fallhöhe über 600 mm, und unabhängig von der Fallhöhe bei Geräten mit erzwungener Bewegung wie Schaukeln und Karussellen. Darunter muss der Boden frei von harten und scharfen Gegenständen sein. Die größte zulässige freie Fallhöhe beträgt 3000 mm.

Wie tief muss der Sand unter dem Klettergerüst sein?

Für lose Materialien wie Sand, Kies, Rindenmulch und Holzschnitzel nennt ÖNORM EN 1176-1 200 mm bis 2 m freie Fallhöhe und 300 mm bis 3 m. Dazu kommen 100 mm, weil das Material bei Benutzung verdrängt wird: eingebaut also 300 beziehungsweise 400 mm, gemessen bis zum festen Untergrund.

Ist Rasen als Fallschutz in Ordnung?

Nur bei geringen Fallhöhen und nur dort, wo er tatsächlich hält. Unter einem viel genutzten Gerät ist Rasen bald weggetreten und der Boden darunter verdichtet, und dann dämpft er kaum noch. Über 600 mm freier Fallhöhe brauchen Sie einen Boden, den Sie belegen können, und Rasen lässt sich selten belegen.

Was bedeutet kritische Fallhöhe?

Die höchste Fallhöhe, für die ein Boden geeignet ist. Sie wird nach ÖNORM EN 1177 bestimmt, indem der Boden bei steigenden Fallhöhen belastet wird; die größte Höhe, bei der der HIC-Wert unter 1000 bleibt, ist die kritische Fallhöhe. Sie muss mindestens so groß sein wie die freie Fallhöhe des Geräts darüber.

Wer misst die Stoßdämpfung eines Bodens?

Die Messung nach ÖNORM EN 1177 braucht ein Fallgerät und wird vom Hersteller des Materials oder von einem Fachbetrieb gemacht, nicht am Rundgang. Am Rundgang messen Sie die Dicke loser Böden mit dem Zollstock und vergleichen bei künstlichen Böden die kritische Fallhöhe aus den Produktunterlagen mit der freien Fallhöhe des Geräts.

Quellen

Dieser Artikel wurde von der August geschrieben und stellt die Anforderungen praxisnah dar. Er gibt die Normen ÖNORM EN 1176 und ÖNORM EN 1177 nicht wieder und ersetzt nicht die jährliche Hauptinspektion durch eine externe Fachkraft. Wenn Sie unsicher sind, was für Ihren Spielplatz gilt, fragen Sie eine externe Fachkraft.

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